Interview mit Ibrahim Altinova (8. Dan): „Ein Tag ohne Karate ist ein verlorener Tag.“

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Der 27. Juni 2020 war ein großer Tag für Ibrahim Altinova: Er bestand die Prüfung zum achten Dan, wurde mit der goldenen DKV-Ehrennadel für 45 Jahre Karate ausgezeichnet und nahm für sein Dojo Funakoshi Köln zum 40-jährigen Bestehen die goldene DKV-Ehrenplakette entgegen.

Lieber Ibrahim, herzlichen Glückwunsch zum achten Dan! Wie fühlt sich das an?
Dieses Jahr ist mein Glücksjahr! Ich bin 65 geworden, mein Verein feiert 40-jähriges Bestehen und dann kam auch noch der achte Dan dazu – das war natürlich schön!

Wie hast du dich auf deine Prüfung vorbereitet?
Ich habe jeden Tag Karate trainiert. Wir mussten unser Kihon selbst zusammenstellen und außerdem zwei Katas vorführen. Da habe ich mir Wankan und Nijushiho ausgesucht. Eigentlich war ich vorher schon gut vorbereitet, aber die letzten vier bis fünf Wochen habe ich wirklich jeden Tag trainiert und mich richtig gut gefühlt. Und dann ist es auch gut gelaufen.

Wie oft trainierst du, wenn du nicht gerade in Prüfungsvorbereitung bist?
Auch jeden Tag. Ich lebe nach dem Motto: Wer einen Tag ohne Karate verbringt, der hat einen Tag umsonst gelebt. Ich bin quasi im Karate-Anzug in der Halle aufgewachsen. Seit 1996 mache ich außerdem dreimal wöchentlich Fitnesstraining, um in Form zu bleiben.

Erinnerst du dich noch daran, wie du mit Karate angefangen hast?
Natürlich, daran erinnere ich mich wie heute (lacht). 1972 habe ich mit Kampfsport begonnen, zuerst habe ich rumgeschnuppert: Taekwondo, Judo, Kung-Fu. Aber dann habe ich mich – man kann es wirklich nicht anders sagen – verliebt: Ins Shotokan-Karate! Das war 1975 bei Horst Handel. Dort habe ich bis zum ersten Dan trainiert. 1980 habe ich meinen eigenen Verein gegründet.

Erzähl uns ein bisschen von deinem Verein!
Ich war damals vielleicht der erste Trainer überhaupt, der Karate für Kinder angeboten hat – zuvor konnte man erst ab 16 Jahre mit dem Karate beginnen. Meine eigenen Kinder haben mit fünf angefangen und auf Landesebene 15 Jahre lang die vorderen Plätze belegt. Meine Tochter war Deutsche Meisterin in Kata und Kumite. Afrim Latifi kam aus dem Kosovo zu mir ins Dojo, wurde Deutscher Meister in seiner Gewichtsklasse und in der Allkategorie, bevor er später für Albanien den EM-Titel holte. 20 Jahre lang zählte Funakoshi Köln zu den erfolgreichsten Dojos in NRW – und war eines der wenigen, die Erfolge sowohl in Kata als auch in Kumite erzielten.

Hast du eine Lieblingskata?
24 Katas mache ich jedes Mal, wenn ich Kata trainiere: Von der ersten Kata bis zur Unsu. Mindestens einmal in der Woche. Ich liebe das einfach (lächelt)! Heian Shodan ist für mich genauso schön wie Gojushiho-Sho oder Unsu.

Du warst ja auch sehr lange als Kampfrichter aktiv…
Fast 30 Jahre lang, von 1987 bis 2016.

Hast du jetzt, als achter Dan, noch Ziele oder Wünsche für deinen weiteren Karate-Weg?
Ich habe vor, den zehnten Dan zu machen, bevor ich sterbe. Dieses Ziel gebe ich nicht auf. Wenn ich jeden Tag trainiere – warum nicht? Das ist dann eine Anerkennung, eine Respektsbekundung. Und die gönne ich jedem, der sie verdient. Prüfungen waren mir nie so wichtig, aber man muss immer prüfungsbereit sein. Auch mit meinen Schülern habe ich mich nie auf die Prüfungen fokussiert, sondern ihnen Bescheid gesagt, wenn sie so weit waren.

Welche Karateka aus deiner 45-jährigen Laufbahn sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Ich mag alle meine Karate-Kameraden und hatte nie mit jemandem Probleme. Wenn es früher mal Ärger gab – mit den Trainern anderer Mannschaften zum Beispiel –, lagen wir uns zum Schluss wieder in den Armen und haben uns nie im Bösen getrennt. Auch meinen Schülern habe ich immer gesagt: Ihr könnt wie Feinde kämpfen, aber ihr müsst als Freunde durch die Tür gehen. Oft haben sich die Eltern bei mir bedankt, was für anständige Menschen dank Karate aus ihren Kindern geworden sind. An alle meine Schüler – und ich hatte viele – erinnere ich mich gerne zurück. Und ganz allgemein, so finde ich, hat sich die Stimmung im KDNW im Laufe der Jahrzehnte immer mehr verbessert – wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern zusammen. Wir ziehen an einem Strang und davon profitiert unser ganzer Landesverband. Das sieht man nicht zuletzt am guten Abschneiden bei den Deutschen Meisterschaften.

Und zum Schluss, vervollständige bitte den Satz: Karate ist…
…mein Leben! Und Karate ist einfach schön! Ich bin sehr froh, dass ich zum Karate gefunden habe und will bis zu meinem Tod damit weitermachen.

Dafür alles Gute! Danke für das Gespräch!

Interview und Fotos: Eva Mona Altmann

(ema)

Die nächsten Termine:

oktober

30okt01novAusgebuchtKlausur: Karate-dô als Lebensphilosophie in HachenSportschule Hachen

31okt10:0014:00AbgesagtPrüfer/innenlehrgang Goju-Ryu in BochumSporthalle Max-Greve Str. 7, Bochum

31okt14:0016:00AbgesagtStilrichtungslehrgang Shotokan in GelsenkirchenKD Gelsenkirchen-Buer

november

30okt01novAusgebuchtKlausur: Karate-dô als Lebensphilosophie in HachenSportschule Hachen

07nov10:0018:00AbgesagtPrüfer/innen - Neuausbildung Shotokan in Bochum (Teil 1)Budokan Bochum e. V.

08nov10:0014:30AbgesagtDansha-Lehrgang Goju-Ryu in RheineSportpark des TV Jahn-Rheine 1885 e.V.

08nov10:0015:30AbgesagtJukurenlehrgang in KamenTurnhalle am Gymnasium, Kamen

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