Interview mit Shirley Jay, amtierende Jugend-Europameisterin Kata aus Hilden: „Ich war sehr fokussiert.”

Der lange Pony und die dichten Wimpern sind so etwas wie ihr Markenzeichen – Shirley Jay, frisch gekürte Jugend-Europameisterin Kata. Als ich sie zum Interview in ihrem Heimdojo Satori Hilden treffe, erlebe ich sie als ruhig und bescheiden. Ihre Worte wählt sie mit Bedacht, ihr Lächeln ist fast schüchtern. Doch sobald sie die Tatami betritt, geschieht etwas mit ihr. Nach einem kurzen Warm-Up führt sie mir eine Kata vor, die keinen Zweifel daran lässt, warum sie Europameisterin geworden ist: Blitzschnelle Techniken, knallhartes Kime und markerschütternde Kiais. Von Schüchternheit kann keine Rede mehr sein – sie strahlt Selbstsicherheit und Kampfgeist aus und versetzt die Zuschauer:innen ins Staunen.


Herzlichen Glückwunsch, Shirley, du bist Europameisterin geworden – eine fantastische Leistung! Wie hat sich das für dich angefühlt, dieser Moment, in dem du zur Siegerin erklärt wurdest?

Das war unbeschreiblich! Natürlich trainiert man darauf hin, aber das war dann schon ein schöner Moment, dass das auch so geklappt hat, wie ich es mir erhofft hatte.

Warst du denn sehr überrascht? Oder warst du schon vor der Ergebnisverkündung siegessicher? Wie hast du die Finalbegegnung erlebt?

Na ja, ich hatte es natürlich gehofft, aber habe auch nicht wirklich damit gerechnet. Meine Haltung war eher neutral. Und zum Glück hat es dann gereicht! Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch eine Hüftverletzung. Der Arzt hatte mich vor den ersten Runden behandeln müssen. Zum Finale war es dann okay, da war keine Behandlung notwendig. Ich habe es zwar noch gespürt, aber es ging.

Vor so einem EM-Finale oder überhaupt vor einem wichtigen Turnier bist du ja sicherlich sehr aufgeregt, erst recht, wenn noch dazu eine Verletzung ins Spiel kommt und du nicht ganz fit bist. Wie schaffst du das mental? Was ist dein Trick, um die Aufregung in den Griff zu bekommen?

Im Vorfeld war ich schon nervös, aber als ich am Wettkampftag zur Halle gefahren bin, da ging es eigentlich. Ich war sehr fokussiert und dann klappt das auch.

Gibt es einen bestimmten Song, den du dir vorher anhörst, um dich in die richtige Stimmung zu bringen?

Nein, das kann ich von jetzt auf gleich.

Wie lange trainierst du schon Karate?

Seit fast zehn Jahren. Ich habe im Alter von sieben hier im Satori Hilden angefangen. Seitdem ist mein Trainer auch schon an meiner Seite.

Wie oft trainierst du?

Viermal die Woche zwischen zwei und drei Stunden. Aber ich gehe nebenbei auch noch manchmal ins Fitnessstudio.

Ist das schwierig, den Sport mit der Schule unter einen Hut zu bekommen?

Ja, das ist schon anstrengend – aber machbar. Manchmal muss ich bei den Turnieren nebenbei noch was für die Schule machen.

Bist du denn eine gute Schülerin?

Ja, das schon.

Wow, das ist gut. Was bedeutet Karate für dich in deinem Leben?

Karate ist schon sehr wichtig für mich. Sport an sich liebe ich. Ohne Karate wäre ich einfach nicht ich. Ich brauche den Sport. Als Ausgleich.

Hast du neben Karate noch Zeit für andere Hobbys?

Nein, nicht wirklich.

Hast du eine Lieblingskata?

Ja. Papuren.

Das ist ja eine Kata, die vor allem durch Sandra Sanchez populär geworden ist – ist sie dein Vorbild?

Ja.

Was gefällt dir besonders gut an ihr?

Ihre Ausstrahlung. Die Stärke, die sie zeigt. Und ihre Schnelligkeit.

Das kann ich gut verstehen! Sag mal, trainierst du eigentlich auch Kumite oder fokussierst du dich komplett auf Kata?

Früher bin ich auch mal im Kumite-Wettkampf gestartet.

Deine Mama unterstützt dich sehr, habe ich beobachtet. Was bedeutet dir der familiäre Rückhalt?

Meine Familie ist wirklich sehr hinterher. Das ist für mich schon gut, dass sie da sind. Sie verpassen kein Turnier und sind generell immer an meiner Seite, um mich zu unterstützen – bei allem, was ich mache.

Wie haben dein Freundeskreis, Lehrer:innen und Mitschüler:innen auf deinen EM-Titelgewinn reagiert?

Die haben das noch nicht ganz realisiert und waren sehr überrascht. Den Wettkampf haben sie hier von Deutschland aus live verfolgt. Meine Lehrer und mein Schuldirektor unterstützen mich auch immer sehr.

Was sind deine nächsten sportlichen Ziele?

Meine nächsten Turniere sind die Deutsche Meisterschaft und die WKF Youth League-Turniere in Kroatien und Spanien – da will ich natürlich versuchen zu gewinnen.

Und wenn du weiter nach vorne in die Zukunft blickst? Was kommt nach dem EM-Titel?

Vielleicht die EM nochmal gewinnen. Oder nächstes Jahr die WM.

Große Ziele! Wenn es mal nicht so gut läuft, gibt es da ein Zitat oder ein Motto, dass dir hilft?

Kein konkretes. Einfach weitermachen und Kopf hoch! Beim nächsten Mal klappt es bestimmt besser.

Das ist die richtige Einstellung! Danke für das Gespräch und alles Gute!

Danke.

Zum EM-Nachbericht…

Zum Interview mit Shirleys Trainer Sahin Ince…

Zum Insta-Reel mit Impressionen vom Interview…

Interview und Fotos: Eva Mona Altmann

(ema)

Die nächsten Termine:

april

13apr10:0018:00Westerwald CupPuderbach

14apr10:0014:00Verbandstag und VerbandsjugendtagDuisburg, KDNW, Haus der Verbände

20apr9:0012:00Stilrichtungslehrgang Kempo: Kobudo - SaiWesel, Petristr.

20apr(apr 20)9:0021(apr 21)14:30AusgebuchtTrainer:innen- C – Ausbildung, Breitensport - Teil 2Hachen, Sportschule

20apr11:0013:00AbgesagtABGESAGT: Stilrichtungslehrgang ShotokanBudokan Bochum e. V.

20apr11:0014:30SV-Lehrgang mit L. BinderUnna, Sporthalle Massen

Ähnliche Artikel:

Menü
X