Nachdem bereits im Februar erfolgreich die Shotokan-Reihe des KDNW mit Yannick Drescher (3. Dan) im Dojo von Karate-Zanshin Bergisch Gladbach gastierte, folgte nun am verlängerte Fronleichnam-Wochenende der lang erwartete KDNW-Stilrichtungslehrgang Shotokan mit Hardy Berscheid (6. Dan). Die Befürchtung, viele Menschen könnten das lange Wochenende eher für einen Kurzurlaub nutzen als für einen Karate-Lehrgang, blieb unbegründet. Ganze 30 interessierte Karateka unterschiedlichster Graduierungen und Altersklassen durfte Hardy Berscheid am Sonntag, den 7. Juni 2026 in der Sporthalle der Friedrich-Fröbel-Schule in Moitzfeld zu seinem Lehrgang begrüßen.

Sensei Berscheid wählte die Kata „Jitte“ (wörtlich: 10 Hände), um den Anwesenden anhand dieser erdigen, kraftvollen Kata mit ihren großen, ausladenden Techniken die erweiterten Grundlagen des Shotokan-Stils eindrucksvoll näherzubringen. Schon beim Aufwärmen wurden die Teilnehmenden in immer anspruchsvoller werdenden Partnerübungen mit den Bewegungsabläufen der Kata vertraut gemacht. Danach wurden flüssige Angriffs-/Abwehr-Kombinationen in einem Bunkai aus Techniken der „Jitte“ eingeübt. Nach jedem Abschnitt gab es Gelegenheit für Fragen, die der Leistungssport A-Trainer Berscheid in seiner gewohnt verständlichen und sehr anschaulichen Art beantwortete. „Eine Kata muss man mit Leben füllen, sich etwas vorstellen, eine Absichtserklärung in jeder Technik zeigen. Wenn man sie nur auswendig lernt, ist es nichts weiter als Tanzen lernen. Macht euch klar, was ihr da tut“, ermahnt Berscheid die aufmerksam zuhörenden Karatekas. „Ausdruck ist immer wichtig, nicht nur für die Kata. Hätte mich damals als Jugendlicher nicht eine Karate-Vorführung total begeistert und mitgerissen, würde ich heute vielleicht boxen“, fügt er eindringlich hinzu.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf setzten in der zweite Hälfte des intensiven Lehrgangs alle gemeinsam die erlernten Techniken unter Anleitung Schritt für Schritt zur vollständigen Kata zusammen. Am Ende waren selbst niedriger graduierte Karateka in der Lage, den Ablauf der „Jitte“ weitestgehend flüssig mitzumachen. Alle durften zurecht stolz auf ihre Leistungen sein. Unabhängig, ob man die „Jitte“ in nächster Zeit weiter trainieren wird oder nicht: Alle Teilnehmenden nahmen viele neue Ideen und Anregungen mit in ihre heimischen Dojos und werden sich bestimmt noch lange an dieses gemeinsame Erlebnis erinnern. Zufriedene Gesichter und ein langer Applaus für Hardy Berscheid beendeten nach über zwei Stunden die interessante und lehrreiche Veranstaltung.

Text: Daniel Selbach
Fotos: Zanshin/Selbach
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