Interview mit KDNW-Präsident Rainer Katteluhn (8. Dan): „Karate ist inzwischen mein Leben, das kann ich ohne Übertreibung sagen.“

Lieber Rainer, herzlichen Glückwunsch, du hast erfolgreich die Prüfung zum achten Dan abgelegt! Wie fühlt sich das an? Was bedeutet diese neue Graduierung für dich?
Der achte Dan ist für mich in erster Linie eine große Ehre und eine große Verpflichtung! Als ich damals mit dem Karate begonnen habe, hätte ich mir nie vorstellen können, einmal eine solche Graduierung zu erreichen und deshalb nehme ich sie mit viel Respekt an. Außerdem steht man mit einem so hohen Dan-Grad noch mehr im Fokus und ist verpflichtet, ein gutes Beispiel zu geben. Es fühlt sich natürlich auch sehr gut an, ein solches Ziel zu erreichen!

Warum hast du dich einer praktischen Prüfung gestellt – so hohe Dan-Graduierungen können doch auch verliehen werden?
Alle Zugänge zu einem hohen Dan-Grad sind gleichwertig! Das möchte ich hier betonen. Für mich persönlich war es wichtig, noch eine Prüfung abzulegen, so lange ich mich körperlich dazu gut in der Lage fühle. Ich stehe ständig im Training und halte mich fit und deshalb war das zum Glück möglich. Wäre das nicht so gewesen, hätte ich mich auch über eine Verleihung gefreut. Der achte Dan würdigt ja ein Karate-Leben und nicht die Leistung in einer Prüfungsstunde. Außerdem ist es für einen Prüfer wie mich wichtig zu wissen, wie sich ein Prüfling anfühlt.

Wie sah deine Prüfungsvorbereitung aus?
Ich stehe ständig im Training und habe noch eine Schippe draufgelegt, an meiner Fitness gearbeitet und mich besonders mit meiner Prüfungskata Jiin und der Anwendung beschäftigt. Bedingt durch Corona wurde mein Prüfungstermin ja mehrfach verschoben und deshalb habe ich in der Vorbereitung mehrere Anläufe unternommen. Es zehrt schon etwas an den Nerven, wenn der Termin ständig kurzfristig ausfällt. Außerdem bin ich Schahrzad Mansouri und Bernd Millner zu Dank verpflichtet. Ich habe mich in der entscheidenden Phase bei ihnen im Dojo vorbereitet und mir da den letzten Schliff geholt.

Und wenn du nicht gerade in Prüfungsvorbereitung bist – wie oft stehst du dann im Dojo?
In normalen Wochen stehe ich an vier Abenden in der Woche im Dojo und gebe mehrere Einheiten Training. Dazu kommen Lehrgänge am Wochenende und die Shotokan-Schmiede.

Machst du noch andere Sportarten außer Karate?
Für andere Sportarten bleibt mir keine Zeit. Ich arbeite gern mit Gewichten an meiner Fitness. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass ein gut gemachtes Karate-Training schon eine sehr umfassende sportliche Herausforderung darstellt und tolle Trainingseffekte haben kann.

Wie bist du überhaupt zum Karate gekommen?
Da passe ich ganz in das Klischee der 1970er-Jahre. Wir waren als junge Leute alle begeistert von Bruce Lee und seinen Filmen und das hat mich – wie viele andere auch – zum Karate gebracht. Bei mir war das 1975 und ist jetzt 46 Jahre her. Natürlich stellt man dann schnell fest, das sich die Welt des Films und des Dojos schon sehr unterscheiden.

Und warum bist du immer noch dabei?
Karate hat mich von Anfang an sehr in seinen Bann gezogen. Es ist so eine vielfältige Herausforderung und bietet Möglichkeiten für jedes Lebensalter. Es war großartig, als junger Mann im Training und im Wettkampf an die Grenzen zu gehen und sich auszuprobieren. Es war aber auch total spannend, die hohen Kata und ihre Anwendungen zu lernen und Möglichkeiten der Selbstverteidigung zu entdecken.

Was magst du lieber: Kata oder Kumite? Und warum?
Diese Frage habe ich womöglich eben schon beantwortet. Da gibt es für mich eigentlich keinen echten Unterschied und deshalb schätze ich das Karate in seiner ganzen Breite. Man kann sich aus der Kata und der Grundschule wichtige Impulse für das Kumite holen und umgekehrt. Ich trainiere alle Bereiche immer noch gern und habe keine besondere Vorliebe.

Welches ist deine Lieblingskata und warum?
Eine Lieblingskata habe ich nicht. Jede Kata hat ihren Reiz und ihre Herausforderungen und deshalb schätze ich sie alle. Besonders gern trainiere ich Sochin, Kanku Dai, Jitte und Meikyo. Man kann mir aber auch jede andere Kata aus dem Shotokan ansagen und ich werde sie mit Freude ausführen. Auch Katas aus anderen Karate-Stilen habe ich schon mit großem Gewinn trainiert.

Warst du schon mal in einer echten Selbstverteidigungssituation und hat dir Karate dabei geholfen?
Zum Glück war ich noch nie in einer solchen Situation. Das hat aus meiner Sicht mehrere Gründe. Ich bin relativ groß und das qualifiziert mich nicht unbedingt zum Opfer für Schläger. Die wollen ja nicht kämpfen, sondern ein leichtes Erfolgserlebnis. Dann bin ich fest davon überzeugt, dass man sich als langjähriger Wettkämpfer und Karate-Meister eine Ausstrahlung zulegt, die Angreifer nicht unbedingt ermutigt. Und außerdem – das finde ich besonders wichtig – schärft man als Karate-Kämpfer Instinkte für Gefahr, die bei vielen Menschen leider verschüttet sind. Man bekommt ein Gefühl für gefährliche Situationen und meidet sie nach Möglichkeit. Ich würde aber keinen Moment zögern, mich zu verteidigen, wenn es nötig wäre und ich glaube auch, dass ich durch mein Karate dafür gut vorbereitet bin.

Welches sind für dich die drei wichtigsten Lektionen, die dich das Karate gelehrt hat?
Respekt, Demut und Durchhaltefähigkeit! Respekt halte ich für die wichtigste Eigenschaft, daraus leitet sich eigentlich alles ab, Ehrlichkeit und das Pflegen von Freundschaften. Da bin ich mir mit unserem leider verstorbenen Meister Fritz Nöpel völlig einig. Demut lernt man spätestens als Kämpfer. Es gibt früher oder später immer einen Besseren und die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Das ist auch gut so. Ohne einen starken Willen, Disziplin und Durchhaltefähigkeit kommt man im Karate und im Leben nicht weit.

Bei der letzten KDNW-Mitgliederversammlung wurdest du wieder zum Präsidenten gewählt. Was sind deine Ziele für die kommende Amtszeit?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass mich die jüngste Mitgliederversammlung und die Wiederwahl in besonderer Weise berührt haben. Es hatte im Vorfeld sehr kritische Stimmen und teils gravierende Vorwürfe gegen das geschäftsführende Präsidium und gegen mich als Präsidenten gegeben. Ich hatte die Verantwortung für Fehler übernommen, die leider im Zusammenhang mit dem Verbandstag 2020 im Umlauf passiert sind. Solche Vorwürfe gehen nicht spurlos an einem vorüber. Dass die Versammlung uns dann mit so überwältigender Mehrheit den Rücken gestärkt hat, war eine ganz unglaubliche Erfahrung. Da fiel viel von mir ab und ich hatte das Gefühl, dass mein Einsatz und meine Arbeit sich gelohnt haben und geschätzt werden. Deshalb werde ich meinen Kurs unter dem Motto „Einheit in der Vielfalt“ unverändert fortsetzen. Wir müssen die Mitgliederzahlen in der Zeit nach Corona möglichst wieder auf das vorherige Niveau bringen oder sogar steigern. Dafür ist es aus meiner Sicht erforderlich, dass wir sehr aufmerksam mit kleinen Gruppierungen umgehen und alle Stile und Künste, die zu uns als KDNW passen, willkommen heißen und integrieren. Hier darf man nicht dogmatisch sein. Außerdem müssen wir als Verband weiter attraktive Angebote machen. Dafür brauchen wir aber wieder Handlungsmöglichkeiten in einer Zeit nach Corona.

KDNW-Präsident, Dojo-Leiter, Trainer, Prüfer… was treibt dich an, dich unermüdlich fürs Karate zu engagieren?
Karate ist inzwischen mein Leben, das kann ich ohne Übertreibung sagen. Es ist meine Leidenschaft und die möchte ich an meine Schülerinnen und Schüler weitergeben. Nur wer brennt, kann die Flamme übertragen und das ist bei mir der Fall. Mit der Zeit erkennt man dann als Karateka, dass es wichtig ist, auch außerhalb des eigenen Dojos und Trainings aktiv zu werden und Einfluss zu nehmen. Deshalb engagiere ich mich als Prüfer und insbesondere als Präsident. Menschen machen stets den Unterschied aus und ich glaube, ich kann in meinen verschiedenen Funktionen einen Unterschied ausmachen und dem Karate etwas zurückgeben.

Gibt es sonst noch etwas, das du sagen möchtest?
Ja, ich möchte mich bei allen Aktiven im KDNW bedanken, die durch ihre Arbeit in den Dojos und in ihren Funktionen dafür sorgen, dass unser Sport weiterlebt und sich entwickelt. Es ist meiner Meinung nach die vornehmste Pflicht des Präsidenten, immer wieder auf diese Menschen hinzuweisen und ihnen Wertschätzung zu zeigen. Sie sind der Verband und ohne ihre Arbeit gäbe es ihn nicht. Weil ich die tägliche Arbeit im Dojo selbst tue, habe ich eine sehr starke Bindung zur Basis und begreife mich als ein Präsident und eine Stimme für alle aktiven Mitglieder.

Danke für das Gespräch und alles Gute!

Interview: Eva Mona Altmann
Foto: KD Gelsenkirchen-Buer

(ema)

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