Nachruf Fritz Nöpel (von KDNW-Präsident Rainer Katteluhn)

Goju RyuVerbandAus unseren Dojos

Liebe Dojoleiterinnen und Dojoleiter im KDNW,

Hanshi Fritz Nöpel ist tot.

Im Alter von 85 Jahren ist der höchstgraduierte Dan-Träger im Deutschen Karateverband am 19. November 2020 in Kamen verstorben. Wie viele von Euch bin ich tief erschüttert und sehr traurig über seinen Fortgang! Meine Gedanken sind bei seiner Frau Eiko, seinen Kindern und bei der Goju-Ryu-Gemeinschaft, die den Stilgründer verloren hat. Wir trauern mit ihnen!

Fritz und ich sind uns besonders in den letzten Jahren oft begegnet. Ich habe ihn sehr geschätzt und für seine herausragenden Leistungen und Verdienste um das Karate bewundert. Das Training bei Fritz hat auch mir den Horizont erweitert und mich bereichert.

Wir NRW-Karateka verneigen uns in tiefer Dankbarkeit vor unserem Mitglied Fritz Nöpel. Er hat die Fahne unseres Landesverbandes stets hoch gehalten und war weltweit ein prominenter Repräsentant des KDNW.

Fröhlicher Optimismus, ein unerschütterlicher Glaube an die große Bedeutung des Karate, ein heiteres und gelassenes Wesen und große Bescheidenheit kennzeichneten Fritz aus meiner Sicht besonders. Er wusste um seine Leistungen und Verdienste, stellte aber die Sache stets vor die eigene Person und konnte mit seiner Art die Herzen vieler Menschen gewinnen.

Dabei spielte sicher eine große Rolle, dass er die Karate-Stile nicht als Abgrenzung gegeneinander verstand. Für ihn waren sie eher wie unterschiedliche Dialekte einer gleichen Sprache. Sein profundes und umfassendes Wissen um das Karate machten es ihm leicht, anderen Menschen den Blick über den Tellerrand scheinbar trennender Aspekte in unserer Kunst zu ermöglichen.

Um die Bedeutung von Fritz für das deutsche Karate zu verstehen, muss man etwas ausholen.

Sein in den ersten Jahren abenteuerlicher Lebenslauf führte ihn ab 1954 über eine Weltreise mit dem Fahrrad von Deutschland nach Japan (1957). Bereits unterwegs beschäftigte er sich mit den Kampfkünsten der von ihm durchreisten Länder in Asien. In Japan erlernte er schließlich bei Meister Tomoharu Kisaki (1921-1996) das Goju-Ryu-Karate im Yuishinkan Dojo in Osaka.

Fritz arbeitete nach einer Ausbildung zum Berufstaucher in den USA (Winter 1957/1958) als Taucher in Japan. 1961 heiratete er Eiko Nakabajasi. 1967 kehrte er mit ihr und Tochter Jaqueline nach Deutschland zurück. Hier war er bis zu seiner Pensionierung 1996 als Gleisbauer und Vermesser bei der Deutschen Bundesbahn beschäftigt. Mit seiner Frau Eiko hat er fünf Kinder.

1967 gründete Fritz das erste Goju-Ryu Dojo in Dortmund und 1972 den Goju-Ryu Karate Verband Deutschland (GKD). Als Stilgründer war er eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Karate. Über 24 Jahre blieb er Präsident des Verbandes und war bis zuletzt dessen Ehrenpräsident.

Fritz gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Karate Verbandes (DKV). Er war damit 1976 maßgeblich an diesem Meilenstein auf dem Weg zur Einheit unseres organisatorisch vorher stark zersplitterten Sports beteiligt. Einheit in der Vielfalt war einer der Wahlsprüche des Hanshi.

Gemeinsam mit Pieter Harms (Belgien) und Harry de Spa (Niederlande) gründete Fritz 1986 die Europäische Goju-Ryu Karate-Do Föderation (EGKF) und übernahm für 15 Jahre die Präsidentschaft. Bis zuletzt war er Ehrenpräsident der EGKF. Im Laufe der Jahre hatte Fritz viele weitere Ämter im Karate inne.

Über die Gründung von rund 30 Dojos hat er sein Karate in Deutschland verbreitet und zu einem anerkannten Stil gemacht. Er ist deshalb unbestritten einer der Pioniere des Karate in Deutschland. Es war ihm ein dringendes Bedürfnis, seine profunden Kenntnisse mit möglichst vielen Menschen zu teilen und seine traditionell geprägte Auffassung von Karate als effektiver Kunst zur Selbstverteidigung zu verbreiten.

Fritz verstand die Kampfkunst Karate als eine lebenslange Schulung des Körpers, des Geistes, der Seele und des Charakters und damit als ganzheitlichen Lebensweg (Do).  Das wichtigste im Karate-Do war für ihn die Charakterschulung. Gern sagte er seinen Schülern „der Weg ist immer die Menschwerdung“ und brachte damit seine Auffassung von Karate auf den Punkt.

Bis zuletzt war Fritz mit ungebrochenem Einsatz und großer Freude  bundesweit unterwegs, um seine technische und intellektuelle Auffassung von Karate zu verbreiten. Pro Jahr gab er rund 50 Tages- und Wochenendlehrgänge im In- und Ausland. Bei etwa 25 Dan-Prüfungen übernahm Fritz jährlich den Vorsitz und es war für viele Karateka (auch aus anderen Stilrichtungen) eine große Ehre, bei diesem Großmeister ihre Prüfung ablegen zu dürfen.

Als profunder Kenner Japans hat er im Laufe der Jahre zahlreiche Reisen mit interessierten Karateka aus Deutschland nach dort unternommen. Er brachte den Mitreisenden das Land, seine Kultur und seine Kampfkunst näher und hat damit meiner Meinung nach einen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet.

Im jährlichen Wechsel reiste Fritz mit Gruppen in die USA, wo er viele Jahre lang in Las Vegas Karatelehrgänge leitete. Jährlich führte Fritz – mit weiteren Trainern – außerdem einen Karatelehrgang auf Mallorca durch. Aufgrund seiner umfassenden Lehrtätigkeit genoss er weltweit ein hohes Ansehen.

Seit 1989 richtete Fritz alle zwei Jahre in seiner zweiten Heimatstadt Kamen einen großen Karate-Sommerlehrgang aus, zu dem bis zu 900 Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland und dem Ausland anreisten. Delegationen kamen unter anderem aus Japan, dem ehemaligen Jugoslawien, aus Polen, Österreich, Frankreich, Skandinavien, Mexiko, von den Philippinen, aus den USA, Tschechien, Portugal, den Niederlanden und aus Belgien.

Regelmäßig reisten zu dem Sommerlehrgang hochkarätige Trainerinnen und Trainer aus Japan an und unterrichteten in Kamen. Sein Meister Tomoharu Kisaki (9. Dan) besuchte Fritz 19-mal in Deutschland. Kisaki machte ihn noch zu Lebzeiten zum offiziellen Beauftragten des Goju-Ryu für Deutschland.

Ab 1986 wandte sich Fritz besonders dem Karate für Jukuren (Lebenserfahrene) und damit den älteren Menschen zu. Er baute im DKV eine heute sehr wichtige Säule unserer Kampfkunst auf und erweiterte das Trainingsspektrum um Methoden, die älteren Menschen eine aktive und lebenslange Teilnahme am Karate ermöglichen. Auch in dieser Hinsicht war er ein echter Pionier.

Fritz hat im Laufe der Jahre zahlreiche Auszeichnungen erhalten. So erhielt er unter anderem alle Ehrungsstufen der Verdienstplakette des Karate Dachverbandes NRW, alle Verdienststufen möglicher Ehrungen des Deutschen Karate Verbandes (die Nadel in Platin 2016) und die Ehrenamtsauszeichnung des Landes NRW.

Darüber hinaus erhielt er die Goldene Plakette und die Goldene Karate-Do-Nadel des Yuishinkan-Verbandes in Japan. Weitere Ehrungen gab es in Portugal, auf Okinawa und von der Stadt Kamen. 2016 wurde ihm von der Goju-Ryu-Organisation auf europäischer Ebene der 10. Dan verliehen und 2017 wurde diese Graduierung vom DKV anerkannt.

Fritz war für sein soziales Engagement bekannt. In der Folge der Tsunami-Katastrophe vor der Ostküste Japans 2011 sammelte er auf seinem Sommerlehrgang 2011 und in seinem Dojo 3.000 Euro. Ein weiteres Dojo aus NRW stattete ihn mit 750 Euro aus und der Deutsche Karateverband spendete 10.000 Euro.

Fritz reiste nach Japan und überbrachte das Geld persönlich an Betroffene der Katastrophe. 2012 brachte er noch einmal 500 Euro selbst eingeworbene Spenden und 9.500 Euro vom DKV nach Japan.

2016 beging Fritz sein 60-jähriges Karatejubiläum.

Wir haben einen großen Meister und eine herausragende Persönlichkeit verloren. Wenn Fritz sich etwas hätte wünschen können, dann hätte er es sicher gern gesehen, wenn möglichst viele Menschen in seinem Sinne weiter Karate betreiben und verbreiten. Dazu können wir einen Beitrag leisten und so sein Vermächtnis ehren.

gez. Rainer Katteluhn
(KDNW-Präsident)

Fritz Nöpel (Foto: Alexandra Höner)
Bild: Alexandra Höner

(ema)

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januar

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